Besuch im Chemielabor von Fachdidaktik Professorin Dr. Katrin Sommer, Ruhr-Universität Bochum

Während meines dreiwöchigen Gastaufenthaltes an der Universität Graz durfte ich auf Einladung
von Mag. Josefine Jaritz am BG/BRG Carneri eine besondere Form von Unterricht erleben. Neben
dem klassischen Chemieunterricht ist an dieser Schule auch Chemielaborunterricht als
Pflichtfach mit Notengebung fest im Stundenplan verankert. Die Schülerinnen und Schüler
kommen in den Unterricht, ziehen ihre eigenenLabormäntel an und erhalten von Frau oder Herrn
Professor eine kurze Einführung in das heutige Thema. Die notwendigen Geräte holen sie sich
selbstständig aus den Schränken im Chemieraum, die Chemikalien stehen am Lehrertisch zum
Abholen bereit – und schon kann es losgehen. Die Wartezeit beim Experimentieren wird mit dem
Anfertigen des Protokolls sinnvoll genutzt, denn für jedes Experiment wird ein Protokoll
geschrieben. Dafür nutzen sie auch digitale Tools, um Versuchsaufbauten oder
Reaktionsgleichungen zu zeichnen. Das fertige Protokoll wird von der Lehrkraft kommentiert und
bewertet, so dass die Lernenden wissen, was sie schon gut machen und was sie noch besser
machen können. Ein besonderer Wert wird auf die Fehlerdiskussion gelegt, denn nicht jedes
Experiment gelingt – wie in der Forschung. Mit großem Engagement widmen sich die Lehrkräfte
den inhaltlichen Rückfragen, so dass fachliche Gespräche mit Tiefgang entstehen und die
Schüler:innen neue Erkenntnisse erlangen. So wurde erkannt, dass Rotkohlsaft und Lackmus als
Säure-Base-Indikatoren genutzt werden können, aber nur mit Rotkohlsaft eine klare Zuordnung
zu bestimmten pH-Werten möglich ist. Ich wünsche sowohl den Schüler:innen als auch den
unterrichtenden Professor:innen weiterhin viel Erfolg und Freude bei diesem Unterricht, der die
Chemie erleben lässt, mit dem was sie ausmacht – dem Experiment als erkenntnisleitendes
Werkzeug.

Ihre Katrin Sommer (Uni-Prof. Dr. rer. nat. habil. Katrin Sommer, Lehrstuhl für Didaktik der Chemie,
Ruhr-Universität Bochum)